Freitag, 10. Januar 2025

Brief 6

Der Bauch tat mir nicht mehr weh.

Der Pferdewagen, mit dem wir nach Wodnoe* fahren mussten, kam an. Wer uns in Dshambul abgeholt hat, weiß ich nicht, aber es war ein Deutscher auf einem Zweipferde-Britschka, und wer alles organisiert hat, weiß ich auch nicht. Der Pferdewagen kam sehr pünktlich am Morgen, als wir gerade mit dem Zug angekommen waren, und konnten den grünen Markt erreichen. Wir luden unsere Sachen rein und fuhren zum ?

Wir kamen im Dorf Wodnoe an und blieben bei Familie Enns. Ich glaube der hieß Heinrich Enns. Bei denen blieben wir bis zum Spätherbst. In dem Haus waren zwei Zimmer, und in einem lebten wir auf dem Erdboden, es gab keine Betten. Vater fand sofort Arbeit in der Tischler-Werkstatt bei der Genossenschaft. Diese Genossenschaft gründete und baute vor wenigen Jahren Gerhard Leven.

Da gab es einige Baracken zum Wohnen, Schmiede Werkstatt, Tischler-Werkstatt und noch andere Werkstätten, wo etwas produziert wurde. In dem Gebäude, wo Schmiede-Werkstatt war, gab es noch zwei Wohnzimmer, und in einem wohnten wir, in das andere Zimmer kam im Spätherbst Johann Enns mit seiner ganzen Familie. Einige Tage wohnten sie n unserem Zimmer mit uns zusammen, bis sie ihr eigenes bekommen haben. Also wohnten sie bei uns, und Tante Enns (Mutter von Jacob Enns) war krank – sie hatte Tiphus, und nach kurzer Zeit waren wir alle mit Tiphus erkrankt, alle lagen in einem Zimmer, und Tante Enns verstarb dann im Späten Herbst 1932 oder am Anfang von 1933.

Essen war sehr ärmlich, wir haben nur Gerstengraupen und Gerstenmehl bekommen, und das haben wir zweimal am Tag gegessen. Aus dem Gerstenmehl hat man ein Brot gebacken, das Mehl war weiß, aber… (*Brieffoto zu Ende)

* Dorf Wodnoe – heute wahrscheinlich Dorf Ming-Bulak im Talas-Gebiet von Kirgisien unweit von Bakai-Ata

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