Donnerstag, 21. November 2024

Brief 4a

Nach wenigen Tagen sind wir nach Nizhnij Tagil gekommen. Wir lebten am Rande der Stadt. Da waren breite grüne Straßen. Das Haus war klein, und dort in einem Zimmer wohnten zwei Familien. Wir waren neun Menschen, und die waren (ich glaube, das waren Wins oder Fritz, Johann weiß es besser) nicht weniger. Johann arbeitete ein einem Werk, wo Autos repariert wurden, und unser Vater arbeitete in einer Tischlehrwerkstatt. In dieser Werkstatt arbeiteten auch Deutsche aus Deutschland (Revolutionäre) (* in Wirklichkeit waren das aus Deutschland für das Geld eingeladene Ingenieure und Handwerker, siehe Anmerkung unten). Sie hatten mit unseren nichts gemeinsam. Sie hatten sehr gutes Werkzeug, alles aus Metall und in einem Koffer.

Für sie gab es einen extra Einkaufsladen, an der Tür stand immer eine Wache, und die Fensterscheiben waren mit weißen Farbe bemalt. Daraus kamen viel geschminkte Damen mit Hütchen, schön bekleidet und mit verschiedenen Tüten, alles in Papier eingewickelt, mit dem weißen Brot, mit Wurst, Käse, mit Früchten und noch viel mehr. 

Und in unserem Laden gab es alle Lebensmittel nur mit Karten für alle Familienmitglieder. Arbeitende bekamen 800 Gramm oder 1 Kilogramm, und die Abhängigen je 400 Gramm vom Mischroggenbrot, und bekamen noch etwas Pflanzenöl und Zucker. Sonst war nichts, denke ich, vielleicht nur noch etwas Getreide.

Zum Mittagessen gab es für alle Arbeitende eine Mensa. Für den Eingang in die Mensa brauchte man etwas, das war ein Holzlöffel. Zum Mittagessen gab es meist Schi oder Borsch aus Sauerkraut (natürlich ohne Fleisch), als Zweites gab es Sauerkraut mit einem Stück vom gekochten Fisch und Kartoffel. Brot, wer mitnahm oder wer noch hatte, brachte man mit in einer Tasche, eingewickelt in ein Tuch. Ich hatte Glück, ich ging da ein Paar mal hin zu Essen. Alle Arbeiter...


(Fortsetzung) 
... saßen an langen Tischen auf den langen Bänken und warteten, bis die Kellnerin allen was bringt. So fing die Bau des Sozialismus an. Was war damals in den Einkaufsläden, kann ich mich nicht daran erinnern, ich denke, wir kauften damals gar keine Sachen, oder Schuhe, wir hatten noch etwas von früher. Brot gab es nicht immer rechtzeitig, manchmal gab es nichts mehrere Tage, und danach brachte mein Vater den ganzen Sack mit Brot. Fürs Brot musste man früh gehen, etwa um vier morgens. Man hatte die Lebensmittel noch vor dem Anfang des Arbeitstages zu bekommen. Für eine Verspätung musste man vor Gericht

Anmerkung

Nizhnij Tagil wurde in 1930-en Jahren von einem deutschen Architekten und seinem Team gebaut: Ernst May

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